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Tagung „Bibelübersetzung(en) in sprachvergleichender Perspektive“

05.10.-06.10.2018 / Erlangen

 

Im September 2017 fand in Erlangen die 9. Jahrestagung für germanistische Sprachgeschichte (GGSG) zum Thema „Sprache, Reformation, Konfessionalisierung“ statt (s. Link https://sprachwissenschaft.fau.de/ggsg2017/index.php?page=programm). Im Rahmen dieser Tagung wurde unter anderem ein neuer Blick auf die Rolle Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung als Sprachnormvorbild des Deutschen gerichtet. Mancher Mythos wurde durch eine differenziertere Betrachtung ersetzt (z.B. Markus Hundt), punktuell wurde sogar der Einfluss von Luthers Schriften auf andere Sprachen Mittel- und Osteuropas gewürdigt (z.B. Harald Bichlmaier, Helmut Glück).

 

Das Interdisziplinäre Zentrum für Dialekte und Sprachvariation der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg möchte einige auf der Tagung vorgestellten, innovativen Forschungsansätze in einem explizit „philologienübergreifenden“, interdisziplinären Forum aufgreifen. Daher veranstaltete es am 05.-06.10.2018 in Erlangen eine eigenständige Tagung „Bibelübersetzung(en)“, die sich in einem sprachvergleichenden Ansatz und unter variationslinguistischer Schwerpunktsetzung mit der folgenden Frage beschäftigte:

 

„Welche Rolle spielen Bibelübersetzungen generell – d.h. auch unabhängig von Luther und seinen Texten – in verschiedenen Sprachen?“

 

Die Auseinandersetzung mit dieser Frage war in drei Themenblöcke gegliedert:

 

  • Standard und Norm: Inwiefern sind Bibelübersetzungen Sprachnormvorbilder?
  • Jenseits der Norm: Welche Rolle spiewlen Bibelübersetzungen jenseits von Normfragen für die jeweilige Ziel- und ggf. Vorlagenfrage und für deren Erforschung?
  • Text und Umfeld: Welche Sprachvariationsphänomene sind im übersetzten Bibeltext und in Übersetzungen anderer theologischer Texte aus dem Umfeld der Bibel beobachtbar? Welche außersprachlichen Faktoren korrelieren mit bestimmten Varianten oder Varietäten?

 

Die im Interdisziplinären Zentrum für Dialekte und Sprachvariation kooperierenden Fächer/ Einzelphilologien (Indogermanistik, Germanistik, Anglistik, Romanistik und Arabistik/ Semitistik) wollten diese und benachbarte Fragen für ihre jeweiligen Sprachen und Sprachfamilien behandeln und in einem interdisziplinären Rahmen diskutieren. Als konkrete Themen und Teilfragestellungen waren folgende denkbar:

 

– Erstbezeugung und Erstverschriftlichung (Schrifterfindung) z.B. indogermanischer Sprachen (Gotisch, Armenisch, Altkirchenslavisch,…)

– Sakrale Terminologie: Entlehnung oder Lehnübersetzung

– Integration fremden Sprachguts (z.B. von Appellativen und Namen) in die Übersetzungssprache

– Späte Bibelübersetzungen (Litauisch, Lettisch, Albanisch)

– Die Bibelübersetzung im europäischen Vergleich

– Sprachwandel bei der Bibelübersetzung als Indikator für Sprachwechsel oder fortgeschrittenen Sprachtod im Mündlichen (z.B. Aramäisch – Arabisch bei den mesopotamischen Juden)

– Zugang zu historischen Stufen von ansonsten (weitgehend) unverschrifteten Sprachen (z.B. das frühe Neuarabisch, wie es in mittelarabischen Bibelübersetzungen zutage tritt)

– Bibelübersetzungen als Zugang zum Verständnis der Sprache der Vorlage, z.B. Lexikalisches in den aramäischen Bibelübersetzungen (Targumim)

– Frage der genauen Vorlage der Übersetzung (z.B. im Falle des Gotischen)

– Übersetzungsfehler

– Syntax der Übersetzung: genuine Syntax vs. Lehnsytax

– Glossierungen von Bibeltexten

– Code-Switching im Bibelkommentar (Bibelzitat vs. Kommentar)

– konfessions- bzw. religionsgruppenspezifischer Wortschatz

 

Die zahlreichen Rückmeldung von internationalen Kolleginnen und Kollegen ermöglichten die  Zusammenstellung und Gestaltung eines anspruchsvollen und zugleich lehrreichen Programms.

 

Der Beitrag aller Teilnehmer erlaubte eine spannende Tagung, an deren Abschluss der Festvortrag von Prof. Dr. Heiner Eichner stand.

Auch Beiträge zu Bibelübersetzungen in Sprachen, die durch die im IZD kooperierenden Fächer nicht vertreten sind (z.B. Sprachen Ostasiens, Afrikas, indigene Sprachen Amerikas, …) trugen zu einer erfolgreichen Diskussion und einer lehrreichen Tagung bei.

 

Die Vorträge überschritten die Dauer von 30 Minuten nicht, für die Diskussion waren 10 bis 15 Minuten vorgesehen.

 

 

Weitere Anfragen können Sie gerne an folgende Kontaktadresse richten: nadine.abu.julud@fau.de

Vielen Dank!